Gedankenspinnereien zur Existenz - Was ist Glaube, was Religion?

"Kein Plan, warum ihr Christen, Moslems und Juden noch Streit habt - Allah, Jehowa, Gott, Jungs, duzt mich doch einfach!"

oder

"Unsere Götter sind Freunde, warum sagen sie's uns nicht?"

K.I.Z. und Marteria haben es schon ganz gut auf den Punkt gebracht.
Ich frage mich, wieso Religionen in unserer heutigen Zeit immer noch zu so einem wichtigen Thema gemacht werden. Natürlich kann man die terroristischen Akte auf der ganzen Welt schlecht ignorieren, die den Namen von Religionen für ihre Tötungstriebe missbrauchen, dennoch liegt das eigentlich Radikale, finde ich, in der strikten Unterteilung in Konfessionen.
Jeder sollte grundsätzlich an das glauben können, woran er/sie möchte. Das klappt zumindest in einigen Bereichen der Welt ja schon ganz gut. Doch ist gerade dabei, meiner Meinung nach, die TRENNUNG von Religion und Glaube essentiell. In meinem Glauben gibt es keine Religion, keine Gebote, Verbote, Vorschriften, sondern einzig und allein das Ur-Vetrauen auf die eigene Vernunft bzw. den eigenen Verstand, was die Fähigkeit zur Empathie und Menschlichkeit neben dem rationalen Denkvermögen einschließt.

Ich erkläre mir Religionen als Versuche des Menschen, krampfhaft seine Existenzberechtigung aufrechterhalten und begründen zu wollen. Als Schutz vor der steigenden Selbstmordrate, aus Angst vor den Konsequenzen "danach", um es etwas zu überspitzen, oder aus dem natürlichen Antrieb des Menschen heraus, alles Mögliche, selbst jenseits des irdischen Lebens, begründen wollen zu müssen.
Doch warum sollte der Mensch, mit all seinem Wissen und seinem doch recht beschränkten Verstand, in der Lage sein, ernsthaft beurteilen zu können, was nach dem Tod genau passiert? Ich befürworte da eher die agnostische Sichtweise, die behauptet, der Mensch sei nicht in der Position und Lage, wissen zu können, was nach dem Tod komme. Wie denn auch?

Energie bleibt Energie. Sie kann nicht verloren gehen, sie kann sich nur umwandeln. Das steht schon einmal fest, schenkt man dem Energieerhaltungssatz der Naturwissenschaften Glauben. Wir alle bestehen aus Energie. Ich stelle mir vor, dass sich unsere Energie nach dem Tod umwandelt und nicht verloren gehen kann. Doch wie das genau aussieht, ob und inwiefern wir etwas davon spüren; ich glaube nicht, dass wir das beurteilen können.
Aber wie könnte dann unsere Existenz begründet werden? Sind wir möglicherweise aus dem Nichts, durch Zufall, entstanden? Ein weiterer Blick in die Theorie des Energieerhaltungssatzes verrät uns, dass Energie nicht aus dem Nichts entstehen kann. Wenn man jetzt damit argumentiert, dass die Quelle des Lebens/jeglicher Existenz doch mit dem Urknall begründet werden kann, so frage ich mich: Wer oder was hat dann den Urknall ausgelöst, wenn doch aus dem Nichts nichts entstehen kann? In meinem Kopf schwirren seit einigen Jahren dazu unzählige, mehr oder weniger "wirre", Theorien herum. Hier ein Einblick in meine wirrsten/penetrantesten Gedankenprozesse:

1. "Gott" ist eine ewig bestehende Energie, die ALLES umfasst. "Gott" ist quasi die Natur, die Summe der Sonnensysteme, der Galaxien, der Universen (wer behauptet, es kann nur ein Universum geben?). Für die genaue Ergründung, wie diese Energie zustande gekommen ist, reicht unsere beschränkte Intelligenz nicht aus.

2. Unser Schöpfer ist ein Lebewesen/unsere Schöpfer sind Lebewesen, die auf uns in unserem verzweigten Universum, unseren unendlichen Galaxien, den perfekt strukturierten Sonnensystemen herabschauen und unsere Entwicklung beobachten/beeinflussen. Vielleicht sind "Religionen" und "Kriege" etc. alles nur Parameter, die (bewusst?) hereingegeben wurden, um unsere Entwicklung festzuhalten und die Auswirkungen dieser Parameter zu testen? Vielleicht ist Projekt "Menschheit" nur eins der vielen Projekte, die von "oben" durchgeführt werden. Zu Zwecken, die aufgrund unserer Intelligenzbarriere nicht ergründet werden können? So als wäre jegliche Existenz nur eine untergeordnete Ebene zu einer anderen. Auch Mikroben oder Pilze wissen schließlich nicht - davon gehe ich mal aus - dass wir sie/ihre Entwicklung durch unsere Mikroskope beobachten oder sie sogar bewusst züchten oder vernichten - und doch existieren sie vor sich hin, vermehren sich und erfüllen ihren persönlichen Zweck: überleben und vermehren. Wieso wagen wir es also, so egoistisch und egozentrisch zu sein und zu behaupten, wir wären womöglich die einzigen Kreaturen unserer Art?

3. Oder sind wir nicht vielleicht doch alle Bestandteile von anderen Lebewesen, die wir nicht erfassen können, weil wir IN ihnen Funktionen übernehmen, über die wir nicht Bescheid wissen? Schließlich sind beispielsweise unsere weißen Blutkörperchen essentielle Bestandteile unseres Körpers; tapfere, selbstlose Krieger, die sich gegen jegliche Infektionen und Krankheiten aufbäumen und bis zum Tod ihr Bestes geben, die Eindringlinge unschädlich zu machen. Damit unsere Körper weiterexistieren können und wir diese weiterhin gebrauchen können, sterben Millionen von Märtyrern einen Bazillentod. Aber sind sie sich dessen bewusst? Ich glaube kaum. Wenn man das Ganze, was vielleicht ziemlich verrückt klingen mag, aus einer abstrakten Ebene überdenkt, so könnte es zumindest durchaus denkbar sein, wie unsere weißen Blutkörperchen, einen gewissen Aufgabenbereich als Bestandteil eines über uns stehenden Lebewesens zu übernehmen und für unser Überleben zu sorgen. Weil unser Überleben zwangsläufig über sein Überleben und seinen Zustand entscheidet. Vielleicht ist das Leben ein ewig überdauernder Prozess, der ständig neue Universen als "Atome" anderer Wesen schafft und jedes Lebewesen für sich in seinem Dasein beschränkt ist, ohne wirklich zu wissen, dass sein Leben auch das Leben eines höheren "Wesens" ausmacht.

Schaut man sich mal die Struktur unseres Nervensystems an, so findet man starke Parallelen zur Struktur des Universums. Warum sollte also nicht in jedem von uns ein Universum stecken können? Mit verschiedenen Lebensformen unterschiedlichster Abstraktionsgrade? Alles bedingt sich gegenseitig, weil alles insgesamt eine gewaltige Masse an Energie ist. So wäre auch das Universum womöglich nur ein winziger Bestandteil eines viel größeren Subjekts (das vielleicht aus unzähligen Universen besteht, so wie wir aus unzähligen Atomen bestehen).
Ergibt diese Analogie zwischen Atomen und Universen Sinn?
Vielleicht ist das alles reine Spinnerei und Grundlage für einen wirren Sci-Fi-Roman. Vielleicht aber auch nicht. Unsere beschränkte Existenz wird uns höchstwahrscheinlich nie die korrekte Antwort darauf geben.

Aber wenigstens ermöglicht uns die Austattung unserer Intelligenz, zwischen den verschiedensten Möglichkeiten differenzieren zu können, und seien diese noch so verrückt oder vielleicht sogar plausibel. Probieren wir doch also nicht so radikal in Kategorien zu denken und uns vorgefertigten Schubladen zuzuordnen. Und schon gar nicht, den bestehenden eine zu große Bedeutung zu schenken.

Die Gewissheit, dass wir SIND, bleibt. Descartes Zitat ist hierfür ein recht passender Abschluss: "Cogito, ergo sum." - "Ich denke, also bin ich."

10.2.16 13:33

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Smile cookie (10.2.16 01:25)
Eben! Religion sollte (genauso wie Sexualität) jeder für sich selbst definieren und sich nicht mehr in irgendwelche Schubladen unterteilen lassen! Was ein Krampf. Wir sind alle Menschen, ob wir nun an Allah oder Jahwe(?) oder garniemanden glauben. Das ändert doch rein gar nichts an UNS.


(10.2.16 12:48)
Vielen Dank für das Durchlesen und den Beitrag! Genau so sehe ich es auch. Die Menschheit ist vergänglich, das Leben kurz, und letztlich muss jeder Mensch für sich selbst entscheiden, woran und was er glaubt und wie & als was/wen er sich definiert. WIR bleiben immer WIR.
Nur an der Toleranz gegenüber "anders" erscheinenden Sichtweisen muss noch gearbeitet werden.

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